Aufgenommen in Zemo Nikozi am 28. September 2017:
Erzähler: «Normalerweise wehen hier die Winde, aber jetzt ist es ruhig, still. Ich ruhe, stehe in einem Feld neben den Gärten. Plötzlich richtet sich jemand an mich, vom Brachland her. Auch wenn es ein Kind ist – jetzt stelle ich mir einen Jungen vor, der mich ruft... Meine Stimmung verändert sich. [verzieht den Mund] Ich stehe noch immer, aber gerufen zu werden verwirrt mich. Ich sage ihm, dass ich nicht gehen werde, ich will nicht dorthin. [flüstert] Soll ich dieses Kind der Zone überlassen? Leere. Manchmal kommen Russen über die Linie ... und noch öfters, Osseten. [Pause]
Der Junge trägt eine saubere Camouflage-Uniform... In einer Hand hält er einen Stock und in der anderen, ein Taschenmesser. Er ist etwas älter als… neun. Vielleicht zehn. [Pause] Ich drehe mich um. [Stille]
Ich hatte erwartet das Dorf zu sehen, in 500 Metern Entfernung. Anstelle dessen bin ich eingekreist von Brachland. Die Sonne hat den Himmel verlassen. Es wird dunkel und ich beginne zu laufen. [Pause]
Die Distanz zwischen mir und dem Jungen wird grösser. Als ich beginne ein bisschen schneller zu gehen, mit grossen Schritten, nimmt der Junge schnelle Schritte. Wir sprechen nicht. Er versteht so oder so nicht, was passiert ist. Und ich gehe… aber wohin gehe ich, ich weiß es nicht. [seine Stimme klingt ernst] Leere ist da. [Pause] Eine Wolke nähert sich von vorne, wachsende Schwärze. Oh ich habe den Jungen ganz vergessen! Oh, ok. [grinst verkrampft] Ich höre das Geräusch seiner Schritte – er folgt. «Weshalb sind wir gegangen?», fragt er ... «Ich weiß es nicht», antworte ich. «Etwas geschah… Alles ist bloss…verblasst.» [lacht häufig auf, spricht ironisch und gestresst] Ich weiß, dass ich mich nicht um das Kind sorgen will. Ich bin in… in einem sehr großen Missverständnis. [Pause]
Ich treffe Wasser. Nur ein bisschen, ein kleiner Kanal. Ich wische mir von West nach Ost [von links nach rechts] über das Gesicht, wünschend, es würde mir helfen aufzuwachen. [Pause]
Da ist ein Feldweg mit Reifenspuren… Es scheint, als wäre er nur von einem kleinen Auto befahren worden, jedoch viele Male, weil da wo die Reifen durch gingen wächst das Gras nicht. Die Straße ist kurvig, ein Bisschen… Straßen führen immer irgendwo hin. [Pause]
Jetzt stehe ich einem Hügel gegenüber. Ich besteige ihn, um zu sehen, was danach kommt. [spricht zu sich selbst mit gedämpfter Stimme] Nur der gleiche Hügel wieder und… wieder, oben auf dem Nächsten – ich muss sehen was danach kommt, das ist, was mich weiter gehen lässt – der Gleiche wieder. Ich schaue mich um. Das Brachland umgibt mich und die Hügel lassen mich erwarten, dass ich auf das Dorf treffe oder lassen mich erwarten, dass etwas auf mich treffen wird. [Pause] Die Sonne trocknete den Pfad aus und die Erde in den Reifenspuren ist aufgesprungen… Die Boden hat eine braune Farbe. Ich kenne diese Erde. Es ist dieselbe wie sie dort, war [gestikuliert] wie sie dort im Sandland war. [Stille]
Ich habe sehr Glück, zurück in den Gärten und den Feldern zu sein. Vertrautes Territorium. Ich weiß nicht… [Pause] vielleicht werde ich aufwachen– es kann nicht einfach so bleiben… Das sollte niemandem geschehen oder ein Mensch wird verrückt. Ich werde verrückt.»
NL/IS: «Es liegt in deinen Händen, du kannst den Ort jederzeit wieder verlassen.»
Erzähler: «Ich gehe nicht, nein. Ich bin zu neugierig darauf, was passieren wird.» [kichert, dann Stille]
NL/IS: «Hat sich etwas an der Situation verändert?»
Erzähler: «Da ist jetzt etwas in meiner Hosentasche… Ein Ding… Streichhölzer.»
Der Erzähler ist 1993 in Zemo Nikozi geboren. Er ist Berufssoldat, ausgebildet in Georgien, Deutschland und Afghanistan, wo er anschliessend auch als Söldner diente. Derzeit wartet er auf seinen Einzug nach Syrien, arbeitet er in der Bäckerei und trainiert im Fitnessclub. Vor ein paar Tagen wurde er Vater seines ersten Kindes.
- versorgen (working title)
First Feature Film | Fiction | Switzerland
in development
Autor & filmmaker: Nora Longatti
Co-Autor: Dilbahar Askari
Producer: Aline Schmid
Production company: Beauvoir Films, Geneva -
Trailer
Mindori
experimenteller Dokumentarfilm
Installation
Georgien, 2017
Farbe, 16:9, Stereo TonDorfbewohner:innen aus Zemo Nikozi wurden eingeladen an, von Nora Longatti geführten, Visualisierung-Sitzungen teilzunehmen. Die Strukturierung der Sitzungen orientiert sich an Visualisierungs-Techniken der Traumatherapie. Die Sitzungen wurden hier jedoch ohne therapeutische Absicht unternommen. Zuhanden einer möglichen visuellen Orientierung wurde den Teilnehmer:innen vorgeschlagen, sich ein Mindori (georgisch für Brachland; Landschaft, die lange Zeit von menschlicher Hand nicht berührt wurde) vorzustellen. Durch die Sitzung wurden sie mit Fragen zum visuellen und akustischen Raum, über Dauer, Körperhaltung, Körperwahrnehmung als auch zu Aktionen begleitet.
Die Transkriptionen dieser Sitzungen wurden ins Englische und weiter ins Deutsche übersetzt und bilden die narrative Grundlage eines experimentellen Dokumentarfilm-Zyklus, welcher sich visuell in der Pufferzone der Demarkationslinie zwischen Innerkartlien und Südossetien verortet.Konzeptualisierung, Recherche, Realisierung und Schnitt: Nora Longatti
Übersetzung: Inga Shiashvili
Over-Voice: Ueli Zindel
Soundkomposition: Fabian Peña -
full film
Spell of Wetness
Filmisches Fragment, 4 min.
Switzerland, 2024
Installation
color, 16:9, 5.1
«For we are made of the depths
And of flowing
And we bring you a mould
No vinegar can fight»
—Excerpt from Spell of WetnessSpell of Wetness is a video piece realized in collaboration with the writer kim de l'horizon and sound artist Aio Frei.
The video was comissioned as carte blanche by the Locarno Film Festival and Montreux Jazz Festival to be part of an Installation, designed and curated by Stefano Knuchel, at the 75th Locarno Film Festival. The spell in this video is an excerpt of kim de l'horizons Blutbuch (2022, engl. Bloodbook).The Spell of Wetness ist written and performed by kim de l’horizon
Filmmaking by Nora Longatti
Sound composition by Aio Frei and Nora Longatti
Location sound and mix: Kathleen Moser
Grading: Carlos Tapia Gonzalez
Translation of the Spell to english: Jamie Lee Searle - «25.04.2024, Riffraff, Kinosaal 2 – Notiz: «Draussen ist es hell geworden. Die Dunkelheit hat sich zu uns ins Innere verkrochen.»
diese Arbeit Resonanzen bezahlter Care-Arbeit in den Kinosälen des Riffraffs. Dafür begleitet sie die Reinigungsfachperson Josefina Gonçales, die jeweils morgens zwischen 06:00 bis 9:30 Uhr hier arbeitet. Ihre Gesten des Sorgens und Berührens verschwinden für die Zuschauer*innen oft unbemerkt im Dunkeln.Entstanden im Rahmen der Ausstellung im Kunstraum Limbo 18. Juni – 30. September 2024. -
Full Videoclip
INES x Die Schweizerische Post x Nora Longatti
Videoclip, commissioned by the Swiss Post, released in 2022
7.5 Seconds, 16:9, Color, Stereo Sound
country of production: Switzerland
no spoken languageDie Schweizerische Post x Nora Longatti x INES
I was asked by Swiss Post to create a 7.5-second film that will become the NFT for one of a series of ten Crypto Stamps launching in August 2022. How to respond to the Swiss Posts prompt to create «a symbol that interprets your country»? This framework raised strong political questions for me about the nation-building aspect of the postage stamp.Who decides what "national symbols" represent the national construct we live in? Who has the ability to have a say, to act, and co-create meaning (mit-gestalten) in a nation like Switzerland, where, for instance, one third of the population is not allowed to vote and is therefore rendered somewhat invisible to institutional politics? (Comment: The people are not completely invisible, insofar as they are contributing to society and their work is necessary. They work here and contribute, for example, by paying taxes.)
I was interested in something that goes beyond well-known national symbols like mountains and Swiss chocolate. I was looking for imagery that is closer to the lives and people who actually inhabit the space called Switzerland. Since INES works on exactly this, we decided to collaborate and bring our expertise together for the making of this clip. The people you see in the video are members of INES, involved in very diverse fields of activity, as INES seeks cross-thematic alliances to develop new socio-political visions.
To respond to the request for "a new symbol for Switzerland," we created a meeting situation for INES members, who came together from different parts of Switzerland to take part in the filming. This was followed by vivid discussions in various cafés and bars, eventually ending on the dancefloor. In the film, we see a staged everyday situation: people living on the same ground trying to coexist—going to work, for a walk, or taking lunch breaks with colleagues, etc. The final gaze in the clip can be understood as resistance to judgment and prejudice, a gentle reminder or an inspiration to connect with what surrounds you. #NewSwitzerland
The Institute New Switzerland (INES) is a think & act tank based in Bern. The association promotes projects that critically and transformatively address issues of migration, racism, and colonialism in Switzerland, thereby fostering equal opportunities and democracy. INES' activities include networking, public expertise, and institutional opening processes. In addition to two volunteer board members, INES currently comprises a network of approximately 80 active individuals.On screen: Migmar Dhakyel, Eva De Souza, Jeanne Kabengele, Dragana Draca, Esther Schmelcher Gerber, Rohit Jain, Izabel Barros, Myrsini Arvanitis, Vanja Ivana Jelić, Jaëlle Kabengele, Daniel Tshiabola Kabengele, Maria-Cecilia Quadri, Elena Alba Ristin, Tarek Naguib, X Schneeberger, Robin Bussien, Mardoché Kabengele
Concept, Production and Realization: Nora Longatti in collaboration with Nicolle Bussien, Mardoché Kabengele, Maria-Cecilia Quadri (INES and FrINES)
Camera: Luca Marano
Set Sound Recordist & Mixer, Sound Design: Anuk Schmelcher
Grading: Kezia Zurbrügg
Titles: sava
Thank you very much to everyone who participated, FrINES, Medina Catering Bern, Berner Rassismus Stammtisch, Livingroom Bern, Mare Longatti, Ennio Ruschetti, Sara Arzu Hardegger and Samuel Gfeller.
The NFT Crypto-Stamp videos were released at the Locarno Film Festival 75 on the Piazza Grande.Zu diesem Projekt erschien ein Artikel von Mardoché Kabengele (Vorstandsmitglied von FrINES Friends of INES) veröffentlicht auf INES am 8. August 2022:
23... 24... 25... und Action! #NeueSchweiz am Filmfestival Locarno – Ein Interview mit der Künstlerin Nora Longatti
Wer die Neue Schweiz sehen möchte, muss nie weit schauen. Sie ist überall, von lernend und zuhörend bis ausbildend, kritisch, kritikfähig und mitredend. Ein Videoclip der Filmemacherin Nora Longatti, das am Filmfestival in Locarno gezeigt wurde, spielt darauf an. Der Videoclip ist einer von zehn NTFs einer neuen Krypto-Briefmarken-Serie der Schweizerischen Post.
Die Neue Schweiz ist längst Teil unserer Gesellschaft. Sie ist in Geburtshäusern, an Geburtstagen, Freizeit-, Sport- und Ferienorten. In Pausenhöfen, an Bahnhöfen, in Spitälern, in Care-, Bau-, Bildungs- und Weiterbildungsinstitutionen und auch auf unseren Friedhöfen ist sie bemerkbar. Sie ist vielstimmig, oft mit dem Drang zur Mitgestaltung und mit dem Willen der Wertschätzung von Unterschiedlichkeiten, in diesen anerkannt und wahrgenommen zu werden, und sichtbar zu sein.
Auch an einem Märzmorgen begegneten sich Menschen dieser Neuen Schweiz, in einem Berner Quartier. Drei Dutzend verschiedene Personen aus dem Netzwerk des Institut Neue Schweiz, auf verschiedenen Intersektionen, individuell und aus unterschiedlichsten Kollektiven. Sie sind gekommen, um gemeinsam einen kurzen Clip zu drehen, welcher am Samstag, 6. August 2022, am Filmfestival in Locarno gezeigt wurde und seit heute als Krypto-Briefmarke erhältlich ist. Das Ziel der Filmemacherin war es, dem Narrativ der Schweiz neue und andere Bilder anzufügen, ihm manchmal etwas entgegenzusetzen, es zu ergänzen, vielstimmig für kurze 7.5 Sekunden.
Wie kann die Postmigrantische Realität sichtbar gemacht werden?
Dies ist eine sehr komplexe und schwierige Frage für mich. Ich würde sie so beantworten: Kennst du das Gefühl, dass du dich aus irgendeinem Grund Wohl fühlst? Du kannst es noch nicht beschreiben, oder benennen, nicht greifen, kaum erklären. Du spürst, wie sich deine emotionale Batterie mit jedem Kind, jeder Person, jeder erzählenden Mutter im Raum auflädt. Verschiedene Klänge, Grinsen, Sprachen, Einschübe, Ergänzungen, Lachen, pausierte und wiederaufgenommene Sätze, Kommentare. In den und vor allem trotz der Unterschiedlichkeiten findet man Gemeinsamkeiten, es ist eine gewisse Unbeschwertheit, Verletzbarkeit und Intimität, welche ich von Zuhause kenne und schätze. Markierungen werden aufgehoben, Wissen wird sichtbar gemacht, Meinungen werden ausgetauscht, aus dem «Woher kommst du» wird ein «wohin gehen wir?», oder wie es konkret nach dem Video-Dreh gefragt wurde: «Wohin gehen wir gemeinsam essen und wer möchte mitkommen?».
In einer Kooperation mit der Filmmacherin Nora Longatti hat INES gefragt: Wie können wir als Institution etwas entwickeln, das eine gesellschaftliche Aussenstrahlung und gleichzeitig eine empowernde, selbstbestimmte Wirkung hat. Im Interview erzählt uns Nora Longatti etwas mehr zu den Hintergründen des Kurzspots und der Krypto-Briefmarke, vom Auftrag zur Idee bis zur Umsetzung des Konzepts, und welche Rolle Ressourcen am Dreh und Auftraggebende spielen können.
Interview
Mardoché: Liebe Nora, was war deine Grundidee bei diesem Projekt?
Nora: Ich wurde vom Locarno Film Festival angefragt, einen von zehn 7.5-Sekunden-Filmen für eine Krypto-Briefmarken-Edition zum 75. Geburtstag des Festivals zu produzieren. Das Projekt ist eine Kollaboration des Locarno Film Festival mit der schweizerischen Post. In diesem Rahmen wurden heute 25’000 Briefmarken publiziert, die mit einem QR Code mit dem Kurzfilm verknüpft sind. Ich habe überlegt, wie ich auf dieses Format «Briefmarke» eingehen möchte, was die Geschichte ist und was (oder wer) üblicherweise darin repräsentiert wird. Und ich bin zum Schluss gekommen, dieser Plattform mit der Frage, was ein akkurates Bild der «Schweiz» sein könnte zu begegnen, ohne dabei auf eine symbolische Repräsentationsebene für einen «Nationalstaat» abzurutschen. Mit diesem Ansatz kontaktierte ich INES mit der Idee, eine Szene in einem unspektakulären Espace Public zu filmen, in der Menschen in einer sehr alltäglichen Situation sichtbar sind. Toll war, dass aus dem Videodreh auch ein anregendes Vernetzungstreffen für INES wurde.
Mardoché: Repräsentation und Sichtbare Diversität ist gerade bei grösseren Unternehmen, Institutionen und Vereinen sehr im Trend. Dies ist auch ambivalent. Es werden einerseits zwar neue Perspektiven sichtbar, anderseits geht es auch um Vermarktung und Kapital. Wie gehst du mit diesem Spagat um?
Nora: Ich habe das Glück, diesen Spagat nicht machen zu müssen, da ich als Künstlerin im Kultursektor und nicht als Werberin in der Wirtschaft tätig sein kann. Die Krypto-Briefmarke wird als Carte Blanche für 10 ausgewählte Schweizer Filmemacher:innen kommuniziert, was von einem Vermarktungsauftrag absehen lässt. Für mich stellt sich immer die Frage, aus welchen Gründen eine Person gefragt wird, in einem Projekt mitzumachen und was die Konditionen und ihre Rolle sind. Wenn es dabei einzig um ein oberflächliches Repräsentieren geht, wobei die Individualitäten der Personen keine Rolle spielen, geht das für mich nicht auf. Der Hashtag #NeueSchweiz als Teil des Clips ist sicherlich sehr wichtig: Er kann die Betrachtenden mit den Anliegen von INES vertraut machen und verortet den Cast in seinem spezifischen Kontext.
Mardoché: Deine Filme versuchen Missstände aufzudecken und dafür wurdest du mehrfach international ausgezeichnet. Wie gehst du bei der Erstellung des Konzepts vor? Hast du eine innerliche Vision oder ist es ein rollender Prozess? In einem Interview zu deinem Kurzfilm «Chute» sagst du, dass dir beim Filmemachen wichtig ist, dass die Darsteller:innen nicht die Klischees einer ihnen zugewiesenen Andersartigkeit verkörpern oder diese zum Thema ihrer Figuren machen müssen. Warum ist es besonders wichtig, diese Individualitäten zu wahren?
Nora: Das sind viele grosse Fragen! (lacht) Hm... Ich habe schon so meine Visionen und sie reagieren auf Themen, die mich umgeben, sind bewegliche Anliegen. Ich denke, was ich als Kulturarbeiterin mache, ist eine Form von Gesellschaftskritik und Sensibilisierung zugleich. Ich mag es, wenn meine Filme zu Auseinandersetzungen anregen, Lust machen – und darin auch unbequem sein können. Darin suche ich weniger danach zu schockieren, eher zu fragilisieren – so auch in der Frage um Wiederholungen von Klischees: Im europäischen Film haben einige klischierte Figuren eine lange, rassistische und sexistische Tradition. Sich dieser bewusst zu werden und mich zu fragen, wie ich diese kritisch dekonstruieren kann, was denn überhaupt eine Figur klischiert oder eine Kollaborations:partnerin überhaupt zu einem Klischee werden lässt, ist mir ein grosses Anliegen. Der unreflektierte Umgang damit empfinde ich schlicht als verletzend und gefährlich bequem.
Mardoché: Zurück zum Clip. Ich mag mich am Drehtag an eine Szene noch besonders gut erinnern. In alle Richtungen und in drei Sprachen wurde simultan gesprochen, eine (für mich) angenehme, vertraute postmigrantische Situation. Niemand fühlte sich als «Übersetzerin», aber alle taten es, je nach Möglichkeiten. Ich sehe dich noch, wie du von einer kleinen Gruppe zur anderen kleinen Gruppe ranntest und auf Deutsch, Französisch, Englisch und ich glaube auch Italienisch Anweisungen, Instruktionen gabst und Fragen beantwortet hast. Du bist auf alle und alle Bedürfnisse eingegangen. Ist das nicht ein unglaublicher Aufwand?
Nora: Ja, und ich empfinde das als unglaublich wichtigen und schönen Zustand!
Mardoché: Ich glaube zudem hatten viele vom Cast, wenn nicht gar alle, keine schauspielerische Erfahrung. War dies Absicht oder Zufall?
Nora: Persönlich bin ich der Überzeugung, dass für mein Filmemachen wichtig ist, dass die Kompliz:innen Lust haben, Teil einer Auseinandersetzung und eines Dialogs zu sein. Da der INES-Krypto-Kurzfilm eine Kollaboration mit Personen aus dem Netzwerk von INES ist und von Anfang an klar war, dass natürliche Personen aus dem Netzwerk auch im Film präsent sein werden, spielte die schauspielerische Erfahrung auch keine Rolle.
Mardoché: Betreffend Rollen. Was erhoffst du dir von zukünftigen Auftraggeberinnen im Kulturbereich, um weitere ähnliche Projekte wie dieses realisieren zu können?
Nora: Dass wir weiterhin selbständig entwickeln können und dass unsere Arbeit stärker wertgeschätzt wird – vor allem was die Budgets solcher Projekte anbelangt.
Mardoché: Und als letztes, wie sieht deine Neue Schweiz aus? Was ist aus deiner Realität heraus wichtig?
Nora: Eine der wichtigsten und hoffentlich auch nahbarsten Aspekte einer Neuen Schweiz ist für mich eine von der Aktion Vierviertel vertretenen Entwurf: Wer hier lebt, solle ein Grundrecht auf Einbürgerung erhalten. -
Trailer
Chute (Strangers)
Kurzspielfilm
20 Min.
Schweiz, 2021
16:9, Farbe, 5.1 Ton
Autorin-Filmemacherin: Nora Longatti
Produktionsfirmen: écal & GoldenEgg Production, Schweiz
Weltweiter Vertrieb: h264 Distribution, Kanada
Realisiert mit der Unterstützung vom Cinéforom und der Loterie RomandeLogline
«Inmitten einer anonymen Stadt bricht eine Person zusammen. Fremde gehen an ihr vorbei oder beugen sich über sie. Chute ist eine intime Untersuchung von Resonanz in einer Welt der Vorbeihuschenden.»Auszeichnungen
* 2021 – Locarno Film Festival (Schweiz) – Pardino d'Oro für den besten nationalen Kurzfilm
* 2021 – Reykjavik International Film Festival (Island) – Bester internationaler Kurzfilm
* 2022 – Sapporo Short Fest (Japan) – Bester zeitgenössischer experimenteller Kurzfilm
* 2022 – FuoriFormato (Italien) – Bester Film im internationalen Programm von „Stories We Dance“
Festivals (eine Auswahl)
* Sapporo, 17. Sapporo Short Fest, 2022
* Bristol, 28. Encounters Film Festival, 2022
* Montevideo, 40. Festival Cinematográfico internacional del Uruguay, 2022
* Mailand, Locarno Film Festival in Mailand, 2022
* Nimwegen, 14. Go Short – Internationales Kurzfilmfestival Nimwegen, 2022
* Vilnius, 27. Vilnius International Film Festival, 2022
* Solothurn, 57. Solothurner Filmtage, 2022
* Lissabon, Queer Lisboa Film Festival, 2022
* Bukarest Internationales Experimentelles Filmfestival, BIEFF, 2021
* Reykjavik Internationales Filmfestival, 2021
* El Gouna Film Festival, 2021
* Tallinn, PÖFF Shorts Festival, 2021
* Seoul, 19. GwangHwaMun International Short Film Festival, 2021
* Chicago, 57. Chicago International Film Festival, 2021
* Locarno, 74. Locarno Film Festival, 2021There are different types of accidents (chutes) in cinema, those that are plausible and those that are not; which considerations enabled you to make those that you staged stand out?
In my work, I am less interested in singularity than in the banality of everyday life. There is much absurdity in the "banal" and a lot of poetry in everyday life. That’s why I tried to develop unspectacular situations, in order to make them contrast with the somewhat fantastical moment of the “Chutes”. The characters were written for their performers and possible reactions to the “Chutes” were intensively discussed with them, in preparation for the shooting. I wanted them to be able to express an intimate feeling they are familiar with, in these situations.
The "Chute" situations are thus a kind of "space of possibility" and the protagonist a kind of prism. Through her, we encounter strangers. She provokes insights that make their intimate needs, wishes and desires perceptible to us viewers. Chute is also a reference to the dated role attribution of the “needy, passive female figure” in the history of cinema. There is a doubt: Who is in control of the situation? Is her role a passive one or is it actually an active attempt; a form of communication?
How did you go about choosing the settings – a housing estate, urban spaces, a supermarket, bar, laundry room...?
The film is set in Biel-Bienne and was shot exclusively in given settings. Biel/Bienne is the town where I was born, grew up and went to school. It’s a working-class town and boasts the greatest cultural diversity in Switzerland.
The choice of the shooting locations was a decision for the unspectacular, the ordinary. I’m fascinated by mundane corners; "non-places" that are imbued with their own peculiar forms of aesthetics. Chute is set in places we all frequent in our everyday lives. And I wanted to collaborate with people I can meet here; in public spaces, in a supermarket or a bar. Most of the Chute scenes are set in public space because I wanted to contrast these intimate, private actions with an "openness". The intimate moments become even more fragile, more vulnerable, as a result.
You chose fixed shots, with the exception of only one panoramic shot: how did it fit into the dramaturgy?
On the one hand, the panning serves to contextualize: the language of this architecture with its oppressive concrete ceiling reflects the condition of the Chute-partner in this scene. The pan emphasizes that the architecture of the location functions as an individual personality. On the other hand, through this one-off movement the medium of film per se becomes noticeable. The viewers are, so to speak, sent back to their seats to make sure they won't forget themselves completely.
My films are intended to stimulate reflection. I’m fascinated by the inner dialogue that the medium can trigger in the viewer. We will only see that if the viewers don’t project themselves completely into the film’s world; if they don’t become dissolved in it; remember themselves.
How did you go about casting?
The performers in Chute are mainly from the Biel/Bern area and from my circle of acquaintances. I casted the extras on location; when they were shopping in the supermarket, in front of their homes or in their local pub. When developing a new scenario/shooting concept, I start the casting process very early on, since I develop the characters and their roles for and with the performers. In cinema, I have the possibility to render visible. This possibility is actually the most important power of filmmaking for me. Diversity in front of and behind the camera is equally essential.
Important therefor is, that the performers do not have to embody the clichés of an otherness assigned to them or make this the subject of their characters. But that they are free to relate to a situation in a personal and individual way. For Chute, I worked out of feminist motivation mainly with FLINT people in cast and crew. However, I don’t regard the intimate needs, vulnerabilities and desire for intimacy that this film addresses as being tied to any particular form of gender expression.
Hardly a single word is uttered, did you know from the outset that there wouldn’t be any dialogue in the film?
The protagonist is on an intimate quest for means of expression. The breakdowns may perhaps be read as a clumsy, but nonetheless honest form of attempts at communication. Thereby I am moved by the question of what a posture, a glance or a movement (or lack of movement) seem to express. At the end of the day we, as viewers of an event, merely make assumptions about the emotional states and life situations that motivate the movements of the characters in it. That’s why in Chute as well, we may only sense what the fundamental motivators of the movements might be. So to conclude, I wouldn't say that this is a silent film. Chute is a quiet film in which a lot is going on. Maybe you will notice in its symptomatic speechlessness that of a society with which you are not unfamiliar?
How would you describe your protagonist’s quest? What is she looking for and what does she provoke in her counterparts?
She leads an intimate quest for resonance, in a world of passers-by. Chute is the portrait of a, to a certain extent, dystopian model of society, in which individualised citizens find themselves in a painful search for an outlet, a form of "ex-pression", for their unanswered needs and desires. It is an examination of an systemic, pathogenic loneliness that deprives one of empathy and, to some extent, also of words. But Chute is as well a plea to the effort of giving expression to your most intimate needs and desires. And an ode to the Invisibles.Besetzung
Hauptdarsteller*innen: Fhunyue Gao mit Barbara Kurth, Yevgenia Korlov, Jeff Nsingi Ambassi, Agathe Lecomte, Julian Gyphens, Fhunyue Gao, Barbara Kurth, Yevgenia Korlov, Jeff Nsingi Ambassi.
Weitere Darsteller*innen: Celani Giordano, Chantal Bidermann, Cynthia Pantie, Gisele Trabato, Jannik Dolder, Jean-Philippe Vaucher, Kurt Girsberger, Lira Erelire Musliu, Marlen Geisiger, Maya Hotarek, Mónica Balanta, Nadja Dewes et Ralph, Nikolett Baki, Safa Gloria
Crew
Kamera: Carlos Tapia González
Schnitt: Nora Longatti, Maxence Tasserit
Sound Design: Peter Bräker
Produktionsdesign: Thea Spiri
Kostüme: Clara Solberger
Maske & SFX: Julia Nietlispach
Regieassistentin: Mireille Moros
Drehbuch: Juliette Menthonnex
Chef-Elektriker: Simon Kuhn
Kameraassistent: Line de Kaenel
Setmanagerin: Vicky Ramsay
Covid-Manager: Daniel Grabherr
Catering: Cucina Longatti, Gritta Krebs
Casting: Nora Longatti
Farbkorrektur: Carlos Tapia González
Tonmischung: Peter Bräker
Musik: Anuk Schmelcher, Nora Longatti
Grafikdesign: Simon Trüb, Nora Longatti
Untertitel: Submarines Subtitling&Translation
Produktion: Yan Decoppet & Gabriela Bussman, GoldenEgg Production
Koproduktion: écal, Jean-Guillaume Sonnier
Mentor: Laurent Larivière
Punktuelle Berater*innen: Elsa Amiel, Marie Monge, Antoine Russbach, Raphaël Sohier, Monia Chokri, Josée Deshaies
Danksagungen: Cinéforom – Loterie Romande – Suksaeng Walailak – Jessica & Victoria Maurer – Amos – Yann Gonzalez – Patricia Nydegger – Raphaël Lefèvre – Luana Gonçalves – Elisabeth Jaquemet – Barbara Grimm – Alexandra Prusa – Laurens Dekeyser – Sergo Mikirtumov – Claude Kuhn – Katarina Tereh – Selin Dettwiler – Lionel Baier – Mykyta Kryvosheiev – Maya Hottarek – Roman Luterbacher Vadenoff – Ruth und Heinz Gerber – Jessica und Victoria Maurer vom Café Brésil – Luc Grandemange – Jonathan Humair – Eve Chariatte – Antoine Rubin – Familie Zosso – Ludwig Heilig – Andrea Bauer – Genossenschaft Migros Aare – Alex Zysset – Regula Belgacem – F&L Immobilien-Treuhand AG – Wilfred Rohrbach – Familie Hakimi – ICI Brocki – Sonja Sutter – Twix Brocki Biel – Der Choisystrasse 5 – Nicole Scheunert – Heimverein Rakataiana – Herr Eggli – Schulhaus Mühlefeld – Nouveau Musée de Bienne – Volksschule Nidau – Revolta – Lucas Miracle Giordano – Korlei Rochat – Lou-Thea Papaloizos – Coline Confort – Natasha Degrandi – Kimyan Flückiger – Rodrigo Muñoz – Théodora Menthonnex – Thibault Villard – Aurel Ganz – Nikita Merlini – Fanny Reynaud – Thibault Rodrigues – Mathieu Pluquet – Quentin Sombsthay – Sacha Kouprianoff – Sabine Iwasko – Ugo Simon – Marc Burger – Valentin Decoppet – Jean Perret – Philippe Romi – Submarines Subtitling&Translation – Sylvain Vaucher – Collin, Emmelien et Eva.
Dienstleister: écal, La Fémis und Visuals GenèveChute zeichnet ein befremdliches Bild unserer Gesellschaft, in der Worte schwer zu finden sind und Emotionen keinen Ausdruck finden – ist eine filmische Auseinandersetzung mit Möglichkeiten von Ausdrucksfähigkeit und Empathie.
Es ist die Suche nach diesen In-Zwischen, welche die Zusammenbrüche (Chutes) motiviert und wodurch ein grundlegendes menschliches Bedürfnis im Film anklingt: Sich mit seiner Umgebung in Verbindung zu fühlen. In der Soziologie wird dieses Phänomen auch als Resonanz beschrieben.
In diesem Film fungiert die "Protagonistin" quasi als Prisma: Durch ihre Chutes kommen die Bedürfnisse und Wünsche von stehengebliebenen Unbekannten, zum Ausdruck.
In meiner Arbeit als Filmemacherin sind Einsamkeit und Resonanz zentrale Themen. Die Settings meiner Filme bewegen sich zwischen Absurdität und Banalität, während ich darin bestimmte Aspekte kapitalistischer Gesellschaften untersuche und mich mit Systemen der Vereinzelung und deren Auswirkungen auf unsere emotionalen Zustände, unser Alltagsleben, Solidaritätsbewegungen auseinandersetze.
Mich bewegt die Erarbeitung prosaischer Setzungen, die Situationen entstehen lassen, in denen durch den Dialog mit meinen Mitwirkenden non-verbal erzählende Bewegungen entstehen. Diese sind, so auch in Chute, spezifisch für die Spielenden entwickelt worden.
Es ist mir wichtig, dass Zuschauer\innen sich über ihre Bezüge zu Figuren bewusst sind. Demnach ist die Frage, wie sich Empathie zwischen Zuschauer\in und Figur einstellt, ohne dass die*r Betrachtende dabei in eine Immersion verführt wird; ohne dass man sich selbst darin völlig vergisst für meine Arbeit wichtig. Ich möchte, dass Sie in Ihrem Sessel aktiv bleiben und beobachten – nicht nur, was im Film passiert, sondern auch, was in Ihnen selbst gerade vorgeht.
Zürich, 2021
Gestaltung: Simon Trüb, Nora LongattiThere are different types of accidents (chutes) in cinema, those that are plausible and those that are not; which considerations enabled you to make those that you staged stand out?
In my work, I am less interested in singularity than in the banality of everyday life. There is much absurdity in the "banal" and a lot of poetry in everyday life. That’s why I tried to develop unspectacular situations, in order to make them contrast with the somewhat fantastical moment of the “Chutes”. The characters were written for their performers and possible reactions to the “Chutes” were intensively discussed with them, in preparation for the shooting. I wanted them to be able to express an intimate feeling they are familiar with, in these situations.
The "Chute" situations are thus a kind of "space of possibility" and the protagonist a kind of prism. Through her, we encounter strangers. She provokes insights that make their intimate needs, wishes and desires perceptible to us viewers. Chute is also a reference to the dated role attribution of the “needy, passive female figure” in the history of cinema. There is a doubt: Who is in control of the situation? Is her role a passive one or is it actually an active attempt; a form of communication?
How did you go about choosing the settings – a housing estate, urban spaces, a supermarket, bar, laundry room...?
The film is set in Biel-Bienne and was shot exclusively in given settings. Biel/Bienne is the town where I was born, grew up and went to school. It’s a working-class town and boasts the greatest cultural diversity in Switzerland.
The choice of the shooting locations was a decision for the unspectacular, the ordinary. I’m fascinated by mundane corners; "non-places" that are imbued with their own peculiar forms of aesthetics. Chute is set in places we all frequent in our everyday lives. And I wanted to collaborate with people I can meet here; in public spaces, in a supermarket or a bar. Most of the Chute scenes are set in public space because I wanted to contrast these intimate, private actions with an "openness". The intimate moments become even more fragile, more vulnerable, as a result.
You chose fixed shots, with the exception of only one panoramic shot: how did it fit into the dramaturgy?
On the one hand, the panning serves to contextualize: the language of this architecture with its oppressive concrete ceiling reflects the condition of the Chute-partner in this scene. The pan emphasizes that the architecture of the location functions as an individual personality. On the other hand, through this one-off movement the medium of film per se becomes noticeable. The viewers are, so to speak, sent back to their seats to make sure they won't forget themselves completely.
My films are intended to stimulate reflection. I’m fascinated by the inner dialogue that the medium can trigger in the viewer. We will only see that if the viewers don’t project themselves completely into the film’s world; if they don’t become dissolved in it; remember themselves.
How did you go about casting?
The performers in Chute are mainly from the Biel/Bern area and from my circle of acquaintances. I casted the extras on location; when they were shopping in the supermarket, in front of their homes or in their local pub. When developing a new scenario/shooting concept, I start the casting process very early on, since I develop the characters and their roles for and with the performers. In cinema, I have the possibility to render visible. This possibility is actually the most important power of filmmaking for me. Diversity in front of and behind the camera is equally essential.
Important therefor is, that the performers do not have to embody the clichés of an otherness assigned to them or make this the subject of their characters. But that they are free to relate to a situation in a personal and individual way. For Chute, I worked out of feminist motivation mainly with FLINT people in cast and crew. However, I don’t regard the intimate needs, vulnerabilities and desire for intimacy that this film addresses as being tied to any particular form of gender expression.
Hardly a single word is uttered, did you know from the outset that there wouldn’t be any dialogue in the film?
The protagonist is on an intimate quest for means of expression. The breakdowns may perhaps be read as a clumsy, but nonetheless honest form of attempts at communication. Thereby I am moved by the question of what a posture, a glance or a movement (or lack of movement) seem to express. At the end of the day we, as viewers of an event, merely make assumptions about the emotional states and life situations that motivate the movements of the characters in it. That’s why in Chute as well, we may only sense what the fundamental motivators of the movements might be. So to conclude, I wouldn't say that this is a silent film. Chute is a quiet film in which a lot is going on. Maybe you will notice in its symptomatic speechlessness that of a society with which you are not unfamiliar?
How would you describe your protagonist’s quest? What is she looking for and what does she provoke in her counterparts?
She leads an intimate quest for resonance, in a world of passers-by. Chute is the portrait of a, to a certain extent, dystopian model of society, in which individualised citizens find themselves in a painful search for an outlet, a form of "ex-pression", for their unanswered needs and desires. It is an examination of an systemic, pathogenic loneliness that deprives one of empathy and, to some extent, also of words. But Chute is as well a plea to the effort of giving expression to your most intimate needs and desires. And an ode to the Invisibles. - Die Nýlovy-Schwestern
Performance und Künstlerinnenbuch
in Kollaboration mit der Künstlerin Eva Šmahelová
Tschechische Republik, 2016
Auflage von 100
116 Seiten, 24 eingelegte Karten
Sandfarbener Leineneinband, Titelprägung
Laserdruck, handgebunden
Maße Buch: 13,8 x 21 cm
Karten: 7 x 10 cmThe Nýlovy Sisters ist eine performative Aktivierung eines ans Vltava-Flussufer gekippten und von den Künstlerinnen gefundenen Haushalts der Schwestern Nylovy. Die gefundenen Küchenutensilien, Kleider, Notizzettel, Fotos, Bücher, Kinderspielzeuge, ect. wurden vom Fundort in die Galerie Meldav in Prag transportiert, gewaschen und die Gallerie mit ihnen wohnlich eingerichtet. Daraufhin folgte die rekonstruktivistische Figurenentwicklung der Schwestern anhand der Gegenstände, das eingewöhnende Tragen ihrer Kleidung und schlussendlich, eine Eröffnung und Dinner-Serie mit Gäst*innen – im Namen der Nýlovy Sisters.
Zum Abschluss der performativen Aktivierung wurden die Fundsachen fotografisch dokumentiert und daraus ein Künstlerinnenbuch entwickelt. Bei dessen Buchvernissage wurden die Fundgegenstände verschenkt. Im Andenken an die Nýlovy Sisters, Irena und Jarmila Nýlovy, eine von vielen (fast) vergessenen Frauen*geschichte(n). -
Trailer
Verhaltenskodex
engl. Code of Conduct
Kurzspielfilm, 8 Min.
Japan/Schweiz, 2019
Autorinnen-Filmemacherinnen: Nora Longatti und Olivia Frei
Produziert von der écal, LausanneDu sitzt an deinem Schreibtisch, die Geräusche im Büro werden leiser, während du die Augen schließt und ein seltsames Kribbeln deinen Rücken emporsteigt. – Eine junge Geschäftsfrau entflieht ihrem leeren Alltag, indem sie eine verborgenen Tür ihrer Wahrnehmung öffnet.Spielende: Muzumi Suzuki, Naoto Nitta, Yuko Nexus6
Kamera: Nora Longatti, Rodrigo Muñoz
Ton, Sounddesign: Olivia Frei, Nora Longatti
Schnitt: Olivia Frei, Nora Longatti
Original-Soundtrack: Max und Mandy «Cellar»
Besonderer Dank an: Rodrigo Muñoz, Taichi Ishikawa, Casey Okamoto, Antonius Reinaldo Nugroho, Teruhiro Taura, den Studenten der Filmabteilung der Waseda-Universität, Herrn Tsuchida und Herrn Kore-Eda.2020, Special Mention Swiss Film School Day II*,
Internationale Kurzfilmtage Winterthur
* 2019, Cinéma de l'alliance française, Tokio
Jury Statement: «One short film can say more than 1000 words. For a precise human study and the filmmakers' cinematic courage to silently express the feelings of a young woman with strong metaphorical images, we honour Code of Conduct and look forward to seeing more of Nora Longatti's and Olivia Frey's explorations of our present-day society.»
Jury: Florian Weghorn (DE) Programme Manager Berlinale Talents, Marta Bałaga (FI) Film Journalist, Veton Nurkollari (XK) Artistic Director DokuFest, Prizren -
Teaser
Bloc B
Kurzspielfilm
11 Min.
ohne Dialog
Scope, Farbe, 5.1 Sound
Schweiz, 2019«Wie ist es, sich lebendig zu fühlen?
Bloc B. Das ist der Schauplatz, an dem neun Begegnungen stattfinden, irgendwo in der Satellitenstadt «la Bourdonnette» am Stadtrand von Lausanne. Bloc B wurde für einige ihrer Bewohner und ihre Nachbarschaft geschrieben. Um zu erfahren, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein.» LoglineBesetzung/Spielende (alphabetische Reihenfolge):
Agathe Lecomte, Boris Degex, Brenda Morina, Colline Cabanis, Elizabeth Mero, Eva Lambillon, Gucci, Heitor José Almeida, Joyce Aisi Zhou, Ludovic Payet, Luìs Gomes, Mélissa Guex, Milo Gravat, Nicole Golay, Olivier Lafrance und Queenie Fernandes.
Kamera: Carlos Tapia González
Schnitt: Selin Dettwiler
Sounddesign: Peter Bräker
Ton am Set: Avril Lehmann und Alexandre Brulé
Regieassistenten: Céline Dondénaz, Lorraine Perriard
Kameraassistent: Aurel Ganz
Kostüme & Maske: Korlei Rochat
Maske & SFX: Agnese Làposi
Chef-Elektriker: Fanny Reynaud
Best Person: Rodrigo Muñoz
Grip: Bradley Graham
Grip-Assistentin: Victoria Cora
Mentoring: Yann Gonzalez, Jeanne Oberson
Besonderer Dank gilt Moisés Mendoza der Machinos Genève und Blaise Bauquis.2019, «Bester Schweizer Film der Filmhochschulen» bei den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur
«Ein Film, der sich durch einen mutigen, originellen Regieansatz, kraftvolle, kinetische Bilder und eine meisterhafte Beherrschung der Filmsprache auszeichnet.» Begründung der Jury
Jury: Anne Gaschütz, Stellvertretende Direktorin Filmfest Dresden – Camille Hébert-Bénazet, Leiterin Cannes Court Métrage – Vladan Petkovic, Filmkritiker und Kurator* 2022 – Locarno Film Festival – Academy Screenings
* 2021 – Kaohsiung Film Festival, Taiwan – Internationale Kurzfilme
* 2021 – Trieste Science & Fiction Festival Italien – Internationale Kurzfilme
* 2020 – Kyiv International Film Festival Molodist – Internationale Kurzfilme
* 2019 – Jugendfilmtage Zürich und Biel-Bienne
* 2019 – Internationale Kurzfilmtage Winterthur (mit Auszeichnung)
* 2019 – NIFFF Neuchâtel International Fantastic Film Festival – Swiss Shorts & Contes Miroirs de la Jeunesse (Regionale Premiere und Weltpremiere)Dieses Filmprojekt entstand frisch nach meinem Umzug nach Lausanne und bedeutete für mich die Möglichkeit auf mir noch unbekannte Nachbar*innen und in meiner Nachbarschaft Arbeitende zuzugehen – mit ihnen Zeit zu verbringen, zu phantasieren, Bewegungen auszuprobieren.
Darüber hinaus interessiere ich mich für Figuren, die einen emotionalen Konflikt in sich tragen, ihn aber nicht in Worte fassen können. Dafür, was lesbar wird, wenn uns etwas so Konkretes (und Enges) wie Worte nicht zur Verfügung stehen: Was zum Ausdruck gebracht werden kann, wenn Körper sprechen.
Lausanne, 2019 - *flower power
Werkreihe
Installation
diverse Blumenarrangements auf weissen Sockeln, SaalblattDie Werkreihe befasst sich mit Blumenarrangements, die jeweils zwischen den Verhandelnden an internationalen politischen Treffen auf höchster Ebene platziert wurden, und ihren Bedeutungen. Die Blumenarrangements wurden für den Ausstellungskontext nachgebildet und die Blumen anhand des Victorian Flower Language Dictionary entschlüsselt.
Im Deutschen gibt es das Sprichwort «Etwas durch die Blume sagen.» – was bedeutet, eine Kritik oder Meinung auf indirekte Weise zu äußern. Die Titel der Blumenarrangements entsprechen den Bildunterschriften ihrer Pressebilder, welche wiederum mit den entschlüsselten Bedeutungen der Blumen versehen, auf dem Saalblatt zufinden waren.
Die Blumenarrangements bezogen sich auf politische Treffen, die in der jüngsten Vergangenheit der Ausstellungen stattgefunden haben. - tourists in front of sights, ordered by weather
Printed Publication, 128 pages, softcover, glue biding, 105 x 148 mm
2016, Self-published, Prague, Czech Republic






